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impulse "Erfolgreich führen" Onlineversion
 
 
 
25.05.2019
 
 
 
  Liebe Frau Unger,

ich war neulich auf einer Party in Köln – einer Stadt, in der sich die Menschen gerne drücken und umarmen. Mir als Berlinerin, die in Hamburg lebt, fällt das immer sofort auf. So kamen wir auf Begrüßungen und Gratulationen zu sprechen: ein Thema, das sofort heiß diskutiert wurde. Schnell waren wir bei Umarmungen im Büro. Neben der Frage: „Wir begrüße ich Freunde meiner Eltern, die ich selbst kaum kenne?“ (eingebracht von Lucy, der 17-jährigen Tochter der Gastgeberin) das größte Minenfeld für alle.

Umarmen Sie Ihre Mitarbeiter? Ehrlich gesagt, auch nach vielen Jahren Führung bin ich bei diesem Thema gelegentlich unsicher. Wie wir arbeiten, hat sich in den vergangenen 50 Jahren radikal verändert. Wir duzen uns, wir arbeiten eher mit- als über- und untereinander. Das bedeutet auch: Viele kleine Grenzen müssen erspürt und neu ausgehandelt werden. Dazu gehört die angemessene Begrüßung und Gratulation.

Bei impulse geht es sehr familiär zu. Den Handschlag nutze ich eigentlich nur im Bewerbungsgespräch. Zum Geburtstag oder zur Ankunft eines Babys fühlt sich diese Geste zu formell an. Aber deshalb gleich alle drücken? Bei manchen Kollegen spüre ich eindeutig, die wollen umarmt werden und umarmen selbst gerne. Bei anderen frage ich mich: Sollte ich mehr Abstand halten? Oder fühlen die sich ohne Umarmung wie Mitarbeiter zweiter Klasse?

„Die Entscheidung, wie Sie sich begrüßen, liegt beim Ranghöheren“, habe ich in einem Büro-Knigge gelesen. Eine Umarmung aber sollte, so finde ich, von beiden Seiten gewünscht sein. Ich will mich ja nicht aufdrängen.

Bestimmt kennen auch Sie so eine überengagierte und nach Parfüm duftende Großtante, die Sie als Kind viel zu fest gedrückt und in die Wange gekniffen hat. Stellen Sie sich mal vor, Ihre Mitarbeiter haben dieses Bild im Kopf, wenn sie an Sie denken!

Und so wie Kinder sich nur schwer gegen ihre Tanten wehren können, kostet es Mitarbeiter sicherlich Überwindung, ihrem Vorgesetzten deutlich zu sagen: „Bitte nicht anfassen!“

Ich habe mir überlegt: Ich befrage jetzt einfach mal meine Mitarbeiter. Und zwar anonym. Aber vorher will ich von Ihnen wissen: Wie machen Sie das? Umarmen Sie Ihre Mitarbeiter? Geben Sie die Hand? Im Osten Deutschlands wird noch viel häufiger die Hand geschüttelt – und ich finde das eigentlich ganz angenehm. Ich habe es in Erfurt erlebt, da ist dieser Gruß noch sehr üblich, auch unter Freunden. Oder haben Sie einen dritten Weg gefunden, der Nähe und Distanz ideal balanciert?

Antworten Sie einfach auf diese E-Mail. Ich bin sehr neugierig auf Ihre Erfahrungen, die ich hier demnächst dann gerne mit Ihnen teilen möchte.

Herzliche Grüße
 
 
 
   
 






Antonia Götsch
impulse-Chefredakteurin und Businesscoach
 
 
 
Impulse Medien GmbH | Sitz: Hamburg, Amtsgericht Hamburg HRB 125815
Geschäftsführer: Dr. Nikolaus Förster
 
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