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11.07.2020
 
 
 
  Umsatzsteuersenkung: So gelingt die Umstellung  
 
  Um die Wirtschaft zu beleben, reduziert der Staat die Mehrwertsteuer. Wie Unternehmer die Umstellung meistern und wann es sich lohnt, die Absenkung an die Kunden weiterzugeben.

Es war eine Maßnahme, die viele überrascht hat: Als Teil ihres Konjunkturpakets reduziert die Bundesregierung die Umsatzsteuer. Der reguläre Mehrwertsteuersatz sinkt ab dem 1. Juli von 19 auf 16 Prozent – befristet bis zum 31. Dezember 2020. Der ermäßigte Mehrwertsteuersatz wird im gleichen Zeitraum von 7 auf 5 Prozent reduziert.

Die Absenkung soll den Konsum ankurbeln und Betriebe entlasten. Was Unternehmer über die Umstellung wissen sollten.

Was müssen Unternehmer bei der Umstellung beachten?

„Die erste Frage, die sich jeder Unternehmer stellen sollte, lautet: Möchte ich die Mehrwertsteuer-Reduzierung an meine Kunden weitergeben oder nicht?“, sagt Thomas Kuth, Steuerberater und Geschäftsführer der FRTG Group in Essen. Außerdem macht es noch einen Unterschied, ob die Kunden des Unternehmens Verbraucher oder andere Firmen sind

Geschäft mit Endkunden

Wenn die Absenkung nicht weitergegeben werden soll, vereinfacht das insbesondere im B2C-Bereich die Umstellung: So müssen die Preisangaben gegenüber den Endkunden nicht verändert werden. Schließlich wird auf dem Preisschild immer nur der Bruttopreis ausgewiesen: „Ein T-Shirt kostet 29,90 €, egal wie hoch die Mehrwertsteuer ist.“ Gibt der Unternehmer die Absenkung dagegen an seine Kunden weiter, kommt er nicht umhin, die Preise anzupassen.

Geschäft mit Firmenkunden

Bei Geschäften zwischen Firmen wird üblicherweise nur der Nettopreis angegeben und die Mehrwertsteuer einfach aufgeschlagen. Im B2B-Bereich müssen Unternehmer also die Reduzierung weiterreichen. „Allerdings ist die Höhe der Umsatzsteuer hier weniger relevant“, sagt Kuth. Schließlich bekommen Geschäftskunden die Steuer vom Finanzamt zurückerstattet.

Ersparnis weitergeben oder einbehalten – was ist besser?

Auf dem Konto wirkt sich der reduzierte Steuersatz erst zeitverzögert aus, erklärt Kuth. Der Unternehmer spart erst, wenn er die eingenommene Umsatzsteuer an den Fiskus abführt – in der Regel drei Monate später. „Mehr Geld habe ich dadurch zunächst nicht.“

Wer die Absenkung an den Kunden weiterreicht, hat dadurch sogar weniger Liquidität – und zwar sofort. Es sei denn, er verkauft durch die reduzierten Preise mehr. Im Grunde müsse sich jeder ­Unternehmer daher fragen: „Stellt die Ersparnis für meine Kunden einen zusätzlichen Kaufanreiz dar oder nicht?“

Sinkt der Mehrwertsteuersatz von 19 auf 16 Prozent, spart der Kunde im Vergleich zum alten Bruttopreis rund 2,5 Prozent. Ein Produkt, das bislang 100 Euro kostete, wäre dann 2,52 Euro günstiger. Reicht der Unternehmer die Reduzierung nicht weiter, kann er denselben Betrag als Mehreinnahme verbuchen. Beim ermäßigten Mehrwertsteuersatz, der von 7 auf 5 Prozent sinkt, beträgt die Ersparnis in diesem Beispiel noch 1,73 Euro.

  1. Bei niedrigpreisigen Produkten dürfte es sich also nicht lohnen, die Reduzierung weiterzureichen: „Niemand kauft plötzlich zwei T-Shirts statt einem, nur weil der Preis 2,5 Prozent niedriger ist“, urteilt Kuth.
  2. Mit einem Nachfrage-Effekt rechnet der Steuerberater dagegen bei hochpreisigen Produkten: Wer für 2021 einen Autokauf plant, zieht die Anschaffung eventuell vor, um von der niedrigeren Umsatzsteuer zu profitieren. Beispiel: Kostet ein Pkw brutto 20 000 Euro, spart der Endkunde durch die temporäre Absenkung immerhin 500 Euro.
 
 
  Wie geht die Umstellung konkret?

Egal, ob die Ersparnis weitergegeben wird oder nicht: In jedem Fall müssen Unternehmer ab dem 1. Juli Rechnungen schreiben, welche die neuen Mehrwertsteuersätze ausweisen. Bis dahin müssen sie die technischen Voraussetzungen für die Umstellung schaffen. Das bedeutet etwa, dass Kassen und Online-Shops neu programmiert werden müssen. Auch die Buchführung muss umgestellt werden.

„Für diesen sehr überschaubaren Zeitraum von gerade einmal sechs Monaten ist das schon ein immenser Aufwand“, sagt Kuth. Der Aufwand hängt auch davon ab, ob nun für jedes einzelne Produkt ein neuer Preis gefunden werden muss, oder ob es mit einer technischen Umstellung getan ist.

Soll die Absenkung an die Kunden weitergegeben werden, kann der Unternehmer die Preise wahlweise an jedem einzelnen Produkt anpassen oder pauschal an der Kasse – in Form eines nachträglichen Abzugs der Prozente. So eine Rabatt­lösung sei gerade für große Einzelhändler oft einfacher umzusetzen, als eine aufwendige Neuauspreisung der Produkte, so Kuth.

Was ist mit bereits gestellten Rechnungen?

Wird eine bereits bezahlte Leistung ganz oder teilweise in dem Zeitraum mit reduzierter Mehrwertsteuer erbracht, muss die Rechnung storniert und neu gestellt werden. Das betrifft ein Zeitschriften-Abonnement genauso wie die Mitgliedschaft im Fitness-Studio.

Wer üblicherweise eine Jahresrechnung schreibt, muss die bereits gestellten Rechnungen zum 30. Juni stornieren und eine neue Rechnung für den Zeitraum 1. Juli bis 31. Dezember ausstellen. „Wenn Sie diese Dauerrechnung unverändert bestehen lassen, weisen Sie einen fehlerhaften Umsatzsteuersatz aus“, erläutert Kuth. Das sorgt zum einen dafür, dass der Anbieter die tatsächlich vereinnahmte, höhere Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen muss.

Gleichzeitig können die fehlerhaften Rechnungen von den Kunden nicht für den vollen Vorsteuerabzug genutzt werden. „Wer es versäumt, seine Rechnungen anzupassen, wird in jedem Fall Probleme bekommen.“ Eine Stornierung bereits bezahlter Rechnungen ist in solchen Fällen unerlässlich. Zeitgleich mit der Stornierung kann das Unternehmen dann die neuen Rechnungen verschicken.

„Wenn Sie die Absenkung an die Kunden weitergeben wollen, müssten Sie jedem einzelnen den zu viel gezahlten Betrag erstatten“, sagt Kuth. In diesen Fällen ist es häufig einfacher, lediglich die Umsatzsteuer anzupassen und weiterhin denselben Bruttobetrag in Rechnung zu stellen. „Allerdings riskieren Sie damit, möglicherweise einzelne Kunden zu verärgern.“

Auch Leasing-Verträge oder Gewerbemietverträge müssen modifiziert werden, damit sie die korrekte Umsatzsteuer ausweisen. „Jeder Mietvertrag, der Umsatzsteuer beinhaltet, muss für sechs Monate angepasst werden.“

Wer profitiert von der Senkung der Mehrwertsteuer?

In vielen Fällen wird die reduzierte Mehrwertsteuer also nicht zu reduzierten Preisen führen. „Einzelne Sparten werden sicher plakativ damit werben, dass sie die Umsatzsteuerreduzierung an ihre Kunden weitergeben“, prognostiziert Kuth. Aber die Mehrheit der Unternehmen werde das wohl nicht tun.

„Vielen Unternehmen bereitet die zeitweise Absenkung einen enormen Aufwand – ­ohne dass viel dabei rumkommt“, urteilt der Steuerberater. In einigen Branchen wäre die Reduzierung dagegen eine willkommene Unterstützung: „Nachdem gastronomische Betriebe mehrere Wochen schließen mussten, sind sie froh um jeden Euro, den sie behalten dürfen“, sagt Kuth.

In der Gastronomie fällt die Umsatzsteuerabsenkung noch deutlich stärker aus: Bezogen auf Speisen sinkt die Besteuerung von 19 auf 5 Prozent. Das liegt daran, dass Gastronomen vom 1. Juli 2020 bis zum 30. Juni 2021 für alle Gerichte nur den ermäßigten Mehrwertsteuersatz abführen müssen, der zudem bis Ende 2020 von 7 auf 5 Prozent sinkt. „Das hilft den betroffenen Betrieben tatsächlich: Sie dürfen einfach mehr behalten."
 
 
 
 
 
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